Mein Weg zum Mentaltraining (von Manuela Gassner)

Schlüsselerlebnisse

 „Entdecke Muster und durchbreche sie!“

Ich habe, als mein Sohn 2005 geboren wurde, ein Biefe- Buch angelegt. In diesem halte ich Dinge fest, die ich ihm gerne heute schon sagen würde, die er jedoch erst später verstehen wird. Es beinhaltet ebenso gemeinsame Erlebnisse, die ich dadurch festhalte und die er so später wieder in Erinnerung rufen kann.

Eine Seite beschäftigt sich mit Tipps rund um das Leben aus meinen Erfahrungen. Ein Eintrag auf dieser Seite lautet „Entdecke Muster und durchbreche sie!“ Mittlerweile ist mein Sonnenschein 11 Jahre alt und versteht mit seiner besonnenen und mittigen Achtsamkeit viele Dinge sehr schnell. So war es an der Zeit, ihm von diesem Buch zu erzählen und exemplarisch eine Seite vorzulesen. Dafür habe ich jenen Eintrag ausgewählt. Er war augenblicklich fasziniert von diesem Spruch und hat ihn sofort verstanden. Es folgte daraufhin ein Gespräch über diesen Spruch, besser gesagt, sogar eine philosophische Diskussion. Es war einer dieser Momente, wenn Menschen tiefgehende Erfahrungen mit sofortigem, ganzheitlichem Verständnis/ Bewusstsein erlangen. Ich könnte auch sagen, es war die erste bewusste spirituelle Erfahrung meines Sohnes. Dass ich dabei beiwohnen konnte, war ein sehr schönes Erlebnis.

Mit dieser kleinen Geschichte möchte ich meine Motivation zum Mentaltraining darlegen. Die Dinge, die ich auf meinem Weg bei der Ausbildung zur Mentaltrainerin erlenen durfte, waren zum Großteil Dinge, für die ich mich schon seit meinem 20. Lebensjahr interessiere und seither versuchte/ trainierte, danach zu leben. Diesen nun durch eine Ausbildung und ein Diplom einen Namen zu geben, machen mein Interesse zu diesem Thema rund.

 „Immer ist jetzt“

Ich persönlich hatte mein erstes, bewusstes, spirituelles Erlebnis, als ich in die 5. Klasse Gymnasium ging und mit meiner Klasse eine Schulwoche in die Hauptstadt Österreichs, Wien, unternahm. Dort durften wir an einem Tag durch ein paar Geschäfte schlendern und ich begab mich mit ein paar Freundinnen in eine Buchhandlung. Meine Freundinnen hatten die Buchhandlung schon längst verlassen, da stand ich noch immer an einem Kartenständer. Karten mit Sprüchen haben mich schon immer inspiriert. Mich fand der Spruch: „Immer ist jetzt.“ Er hat mich sofort fasziniert, doch ich konnte ihn nicht gleich verstehen. Ich konnte mich auch nicht mehr von dieser Karte, diesem Kartenständer, weg bewegen, da ich spürte, dieser Spruch hatte mich tief berührt und das Verständnis darum ist ein sehr wichtiger Schritt. Ich fragte auch nicht meine Freundinnen, sondern versank in Ruhe und weg von der Außenwelt vor diesem Spruch.

Ich konnte das Rätsel um diese Botschaft an diesem Tag nicht verstehen, doch in den Jahren seit dieser „ersten Begegnung“ wurde er mir immer klarer, vertrauter und zum Leispruch.
Er bedeutet auch Vieles, das jetzt zum Mentaltraining für mich passt:

Lebe nicht morgen, lebe jetzt!
Das bedeutet: Mache heute, was du für dich in dein Leben integrieren möchtest!

In den letzten 10 Jahren habe ich sehr viel Wissen rund um ein geistiges Bewusstsein angesammelt, anderes und nicht vergleichbares Wissen zu jenem, das ich 4 Jahre auf der Universität gelernt hatte. Ich habe mich mit dem Buddhismus beschäftigt, das Dhammapada (Worte der Weisheit)1 gelesen und fand mich in den Gesetzen des Karmas, der Wiedergeburt, den heilsamen und unheilsamen Handlungen wieder. Ich fand mich.

 „Achte auf deine Gedanken, denn“

Doch das Wichtigste, das ich erst später in diesem Prozess verstanden habe, führte mich zurück in meine Volksschul- Jahre: Alles entsteht und beginnt bei den Gedanken.

Ich war ein kleines Mädchen und besaß einen großen Schatz: Mein Stammbuch. Die Einträge meiner MitschülerInnen bedeuteten mir sehr viel und ich freute mich über jeden Eintrag, über jede, individuelle Handschrift, über jede Verzierung. Doch ein Eintrag berührte mich, wie jener Leitzsatz, den ich vor kurzem meinem Sohn mitteilte: „Achte auf deine Gedanken, denn…“. Dieser Spruch hat mich nie mehr losgelassen, er war immer ein Teil meiner persönlichen Schatztruhe.

Heute hat er für mich mehr Bedeutung denn je: Denn heute ist dieser Spruch für mich in meinem Leben wirklich angekommen.

 Alles findet zusammen

Ich habe nach einem Weg gesucht, all mein bis dato zusammengetragenes Wissen zu vereinen, um dies auch mit anderen Menschen zu teilen. Bewusst habe ich mich in diesem Prozess gegen verschiedene Ausbildungen entschieden und eine gesucht, die mit meinen seit meinem 19. Lebensjahr gefundenen Einstellungen kongruent ist. Ich habe mich damals dem Buddhismus zugewandt und ich finde, man braucht nicht mehr an Trainings, wenn man sich nach dieser Lehre richtet, nach dieser Lehre lebt. Jedoch kann ich nicht ein Training nach dem Motto „Ich bin Buddhist. Komm`, lerne mit mir!“, anbieten. So bin ich bei dieser Suche auf das Mentaltraining gestoßen und sehe, dass es sich in seiner Theorie mit dem Buddhismus sehr gleicht. Bei näherer Betrachtung der Mentaltrainings- Lehre fand ich heraus, dass wesentliche Botschaften auch im Christentum verankert sind. Dies ist mir eine besondere Freude, da ich mich mit meinen Einstellungen und meinem künftigen Angebot des Mentaltrainings natürlich nicht auf eine Religionsgemeinschaft beschränken und andere ausschließen möchte. Mentaltraining ist für alle Menschen!

So fand ich meine Möglichkeit, mit meinen Mitmenschen in dieser Geistes- Entwicklung zu trainieren. Das ist der Grund für meinen Weg zur Ausbildung zur diplomierten Mentaltrainerin (nach Kurt Tepperwein).

1 Dhammapada = 423 Verse in Pali, Worte Buddhas., vgl.: Mahathera, Nyanatiloka: Dhammpada, wörtliche metrische Übersetzung der ältesten buddhistischen Spruchsammlung, 2007, Jhana- Verlag.