Raus aus dem Hamsterrad!

Raus aus dem Hamsterrad!

Ich bin dann mal weg!

Jetzt kann ich es, denn, was vor 9 Monaten noch nicht ging – als ich zum ersten Mal diesen Impuls fühlte und nicht auf den Button “kaufen” klicken konnte – war nun plötzlich einfach, denn: stimmig. Ich für mich fühlte, es war richtig; andere in meine Pläne einzuweihen wiederum weniger wichtig. Ich wollte m e i n e m “Flow” folgen und intuitiv handeln.

Und täglich grüßt das Mürmeltier. Derselbe Rhythmus, derselbe Trott, Wochenenden in Balance von dolce far niente, Beziehungen & Haushalt, vermeintlichen Tankstellen für eine neue Arbeitswoche. Eine maximale Vollzeitanstellung erlaubt minimalen Spielraum. Vermeintlich. Mein Motto: Öfter mal ausbrechen für maximales Tanken! 🙂  Denn: Es geht! 

Die Sehnsucht nach mir

In mir war eine große Sehnsucht erwacht, Sehnsucht nach Zeit mit mir selber, nach Treffen mit mir selber und nach einem Ausbruch, einem Ausbruch aus dem Hamsterrad, das wir in unseren errichteten Systemen nur viel zu selten verlassen (können zu denken).

9 Monate später hatten mich meine Ego-behafteten Zweifel-Gedanken (welche vermutlich auch die Stimmen vieler anderer WegbegleiterInnen gewesen wären) verlassen. Wenn man die Stimme seines Herzens vernimmt, ist kein Raum mehr für Zweifel vorhanden, denn man schwimmt dann im Fluss, so wie ich in Kürze nach meinem Entschluss zum ersten Mal im Atlantik.

“Das Flow-Erlebnis ist ein spezielles Phänomen der intrinsischen Motivation, das vor allem von Csikszentimihályi (1975, 1992) untersucht wurde. Bezeichnet wird damit der Zustand des reflexionsfreien gänzlichen Aufgehens in einer glatt laufenden Tätigkeit, die als angenehm erlebt wird und zu Zufriedenheit und freudvollem Erleben führt. (Stangl, 2019).” (Stangl, W. (2019). Stichwort: ‘Flow’. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik. WWW: https://lexikon.stangl.eu/303/flow/ (2019-06-01))

Ein Urlaub als Alleinreisende/-r

Zu zweit, zu dritt, zu viert, zu fünft, zu sechst, … ist es sicherlich schön, doch das kenne ich ja schon (und bin in großer Dankbarkeit an diese schönen Erlebnisse verbunden) mein ganzes Leben. Immer mehr brauchte ich aber im letzten Jahr auch zwischendurch immer wieder Spaziergänge nur mit mir alleine. Wenn man beginnt, dies zu tun, ist es anfangs etwas komisch – man denkt, man ist irgendwie nicht komplett und sowas macht man ja nicht alleine und – was denken denn die Leute. Ich bin sicher, einige würden gerne etwas für sich unternehmen, lassen es aber aus diesen Gründen dann bleiben – und fühlen sich dann erst recht wieder unvollständig. Doch die Wahrheit ist: Man ist immer vollständig, auch alleine, das ganze Universum ist in einem ebenso vorhanden und man ist zu jederzeit mit allem verbunden.

Dazu liebe ich es, mich Herausforderungen zu stellen, Neues zu lernen und einfach mal quer zu denken und Dinge anders zu machen.

Zweifel

Ich hatte diese falschen Ansichten längst bearbeitet und freute mich vor meiner Abreise einfach nur riesig auf dieses vor mir liegende Ereignis: Das erste Mal alleine fliegen, das erste Mal auf einer kanarischen Insel, das erste Mal über dem und im Atlantik, das erste Mal alleine ein Mietauto, das erste Mal dort alleine, wo ich noch nie war. Bis auf insgesamt 9 Minuten war ich in sehr fließender Vorfreude. Lediglich 2x 4 Minuten und einmal 1 Minute überkamen mich die Zweifel und überschütteten spürbar mein Inneres von außen. Die Zweifel gipfelten in Angst und Stornierungs-Gedanken – man könnte mich ja stehlen und mein Leben von mir ungewollt beenden. Nachdem ich dieser Disharmonie Raum gegeben hatte und sie eben als Disharmonie entlarvt hatte, genoss ich die jeweils folgende Minute sehr, denn diese war wieder herzöffnend, leicht, warm, freudvoll und sehr friedlich. Fast musste ich in dieser Minute über die jeweils vorhergehenden laut lachen.

Freilich gibt es immer Gründe, etwas nicht zu tun. Doch, was immer in Angemessenheit (“wenn es sein darf“) geschieht, ist ohnehin stimmig. Für mich wären diese Gründe zuallererst mein Sohn gewesen, der mich nicht hätte (so weit) weg haben wollen und natürlich, wenn jemand aus meiner engsten Familie mich gebraucht hätte. Doch beides war nicht der Fall. Mein Sohn wollte weder mit, noch zeigte er irgendeine unharmonische Reaktion auf mein Vorhaben. Seine Reaktion war ebenso fließend, friedlich und sehr gleichmütig, entsprechend zu meinem Inneren zu dieser bevorstehenden Reise. “Cool! Viel Spaß!”, war in etwa seine Reaktion. Ich hätte ihn auch überaus gerne mitgenommen, doch mit seinem Alter zwinge ich ihm nichts mehr auf, schon gar nicht meine eigenen Bedürfnisse. Die letzten 14 Jahre habe ich ihm gemeinsam Urlaub geboten (und dabei so viel Schönes (“collecting moments”) zusammen erlebt). Nun ist unser Empfinden, unser Bedürfnis jeweils ein anderes und doch schwingt es zusammen im Einklang. Ich liebe dich so sehr, mein Sohn!

Teneriffa

3 Nächte Teneriffa, 4 Tage – ich. Diesen Blog verfasse ich wenige Stunden vor meiner Rückreise, um noch alles authentisch hier festzuhalten. Mein wahrgenommener Impuls, das Warten auf den stimmigen Moment, das Erleben im Vorfeld im Fluss wurde durch meine Zeit hier bestätigt, besser durch jede Minute meiner Zeit hier. Von Anfang an bis zum Schluss verlief alles fließend und ohne jegliche Komplikationen. Im Gegenteil: Ich reservierte (außer dem Mietauto und meiner Unterkunft) nichts im Vorhinein und musste dennoch nirgends warten, anstehen und auch nichts verpassen. Alles ging sich ohne vorherige Planung immer auf die Minute aus. Ich erlebte hier in diesem fremden Land alles spielerisch leicht, fast so, als ob ich hier gar nicht fremd wäre. “Wir sind alle der eine”, durchflutet immer mehr meinen Geist und meine Wahrnehmungen.

Dass sich alles so spielerisch leicht anfühlte, war vielleicht auch mein inneres Kind, das gerade auf Urlaub war und sich mächtig freute. So wie mein Sohn in den letzten 14 Jahren, der mir im Urlaub immer vorlebte, dass es keine Auszeit ist, sondern einfach nur Zeit, nicht anders als zu Hause in etwa. Ich erfüllte mir manchen Traum und fühlte mich dabei tatsächlich wie ein Kind: Ich habe eine Delphin-Begegnung in einem Wasserpark in einem Pool gebucht, durfte sie küssen und knuddeln, berühren und hörte ihre Laute unter Wasser. Es war großartig. Doch irgendwie fühlte ich mich danach nicht vollständig frei, es fühlte sich belastend an. Ohne mich vorher erkundigt zu haben, war für mich klar: Ich mache jetzt eine Bootstour und sehe frei-lebende Delphine! Wie und wo – das bekomme ich bestimmt irgendwie hin.

Delphine

Delphin-Tour von Puerto de Santiago

Mein tolles Mietauto war voll ausgestattet und so zeigte es mir über CarPlay schon nach wenigen Minuten meinen in Google gefundenen Sucheintrag ein: Puerto de Santiago. Dieser Küstenort war der erste, den es mir mit Angeboten zu Bootstouren mit Delphin-Sichtungen fand. Da er auch nur 45 Minuten von mir weg war, ging es auch schon los. Und wieder war es eine Punktlandung. Nach einer herrlichen Strecke und einem langsam sich fortbewegenden Verkehr im Parkplatz-Hafen-Gebiet stieg ich 10 Minuten vor 14.00h aus meinem Wagen. 10 Minuten später war ich auch schon auf einem Boot, das genau das anbot, wonach mir jetzt war: Eine zweistündige Bootstour mit Delphin-Watching, einer Schnorchel-Möglichkeit und Snacks (sehr gut, denn ich hatte Hunger!): 25,- kostete alles zusammen nur und wieder mal überraschten mich neben meinem Flow auch die gnädigen Preise in Teneriffa. Nicht einmal eine Parkgebühr für mein Auto während dieser zwei Stunden war zu entrichten. Ich war allerdings gespannt, ob die Tour wohl ein Reinfall werden würde (Ego-Gedanken) und ich mich zu hastig (ohne vorherige professionelle Recherche, wie manche Männer meinen würden) dafür entschlossen hatte. Doch nichts da! Ich war im Fluss und deshalb war es einfach nur schön, harmonisch und stimmig. Ich genoss den Passat an Board und vor allem dann die Delphin-Familie aus nächster Nähe, die sich uns zeigte. Ich war ergriffen und tief berührt.

El Teide oder Loro Parque?

Am zweiten Tag konnte ich mich nicht zwischen der höchsten Erhebung Teneriffas (El Teide) und dem Loro Parque entscheiden. Ich quälte mich, aber es ging nicht. Beides wollte ich sehen, doch, da ich es am letzten Tag nur “chillig” zu Hause am wilden Strand in El Mèdano haben möchte, kann ich es nicht auf zwei Tage verteilen. Was mache ich bloß! Der Berg rief schnell und dennoch hielt mich die Idee des Loro Parques, wegen welchem ich eigentlich Teneriffa als Ziel gewählt hatte, gefangen – auch wenn es mich jetzt gar nicht mehr hinzog! Lediglich der störende Gedanke “daheim wirst es bereuen” hatte Oberhand. Ich wusste, dass dies so nicht stimmig war und stieg leicht verzweifelt in mein Auto ein. Auch dazu musste ich mich schubsen, denn in ein Auto einzusteigen ohne ein Ziel zu haben, ist doch etwas befremdlich. Doch ich wusste, der Schubser wird sich lohnen! 😀 Das kenne ich schon … 🙂 #flowtraining Dort blieb ich noch zwei Minuten sitzen und überlegte, welches Ziel ich ins Navi eingeben sollte. Schließlich gab ich gar kein Ziel ein und fuhr einfach drauf los, die Autobahn-Routen waren mir vom Vortag schon gut bekannt. Ich vertraute jetzt meinem Flow, in welchem ich mich doch bisher so spielerisch wie die Delphine bewegte. Nach circa 30 Kilometern war es so weit – das, was ich eigentlich eh schon am Vortag gefühlt hatte – ließ mich im letzten Augenblick noch die Ausfahrt zum El Teide nehmen. Berg, ich komme! Geht sich später noch der Loro Parque aus, ist es gut, wenn nicht, ebenso.

Nationalpark El Teide

Schließlich ging sich beides aus. Der Nationalpark zu Fußen des El Teides war einfach nur wunderbar, so wunderbar, das ich wiederum gar nicht mehr ganz hinauf hätte müssen. Doch zugegeben, die Bergstraßen hätte ich nicht missen wollen – ich liebe diese Art des Autofahrens einfach sehr! Allerdings auch die Sache an sich – rauf auf den El Teide, wie man das halt so macht. Ganz stimmig war das wieder nicht. #trainingforlife Immerhin konnte ich von dort ganz oben eine kanarische Nachbarinsel erkennen, welche, weiß ich allerdings nicht. 😀 🙂 Angeblich bezeichnen sich die “Tinerfeños” als Kinder Papas, damit ist der El Teide gemeint. Man fühlt das ein bisschen von ganz da oben. Jedenfalls dachte ich daran, als ich oben war. (Natürlich nicht ganz bis zum Gipfel – auch wenn nur 0,5 km gefehlt haben – da bedürfte es einer Sondergenehmigung, die weit im Voraus zu beantragen ist.)


Später im Loro Parque war es, wie es – für mich – zu erwarten war. Er hat mich eher nicht abgeholt und schon gar nicht erfüllt. So blieb ich nicht lange und würde jedem raten: Gehts lieber nach Schönbrunn in Wien!! Der Loro Parque ist sicherlich ein unglaublich schöner und liebevoller gestalteter Zoo… doch diese Attraktion braucht es für mich auf dieser sehr natürlichen Insel einfach nicht. Dennoch war ich glücklich, denn ich hatte noch immer Zeit und nahm mir vor, eine Pause am nächsten Strand zu machen. Dass dieser laut Reiseführer einer der schönsten und noch dazu in der Hauptstadt der Insel war, fand ich in meinem Fluss wieder sehr witzig.

Fazit: Urlaub ganz alleine

Ich kann nicht beschreiben, wie komplett und ganz und in vollster Harmonie ich mich ständig befand. Um mich herum und in mir war immer alles voll. “Warst du auch mal einsam?” Nicht eine Minute! Es gab weder dafür, noch für Langeweile Raum in mir. So begegnete mir auch die Umwelt. Es war nicht eine Situation, in der ich als “Alleinreisende” unpassend gewesen wäre. Im Gegenteil. Sehr viele Menschen hatten ein herzliches Lächeln und Grüßen für mich übrig- und ich natürlich auch für sie. Und ganz besonders schön waren die Dates am Abend- Abendessen ganz alleine – nicht annähernd komisch oder sonst irgendwie sonderbar oder falsch. Einfach ganz. Ganz schön.

Mein Date mit mir

Die coolsten Momente?

  • Mein Handy gibt vorübergehend (Gottseidank!) den Geist auf (wohl zu viel Hitze und Sand) und ich muss vom Nordosten zurück in den Süden ganz alleine zurückfinden. Yes, I did it – und wie!! Viel schöner als mit Navi.
  • Die Wellen im Süden sind für Surfer da – ganz schön wild ab und an. Als ich gemütlich hineingehen wollte, überraschte mich eine Wellenformation und ich sprang dagegen und schrie und lachte – wie ein Kind, wie früher – Erinnerungen an früher. Schöööön. 🙂 “Ein glücklicher Erwachsener ist ein Kind, das überlebt hat.”
  • Nach einem langen Tag “nach Hause” kommen, schnell umziehen und frisch machen und dann schnell weiter: der Nachbarhügel zum Strand in der Nähe der Villa wartet darauf erklommen zu werden, um dann von oben dem Sonnenuntergang beizuwohnen. Als es dunkelte, war ich am Abstieg und das war recht tricky – dazu überall die Lavasteine am Boden – aber: Yep, I did it! 🙂
Sonnenuntergang am Montaña Pelada
  • Die Morgenwanderung am Montaña Roja am letzten Tag. Ich erblickte ihn bereits am ersten Tag von meiner Unterkunft aus und wusste: da muss/will ich hin. Und es zahlte sich so aus! Wunderbar war es! 🙂
  • Zum Abendessen unglaublich leckere spanische rote und weiße Saucen und Weißbrot dazu. Mhm, lecker!
  • Und: Die Katzen des Besitzers meiner Unterkunft, die mit mir zusammen auf der Terrasse frühstückten. So schön! Eine wartete am Morgen schon auf mich vor der Tür und ging dann mit mir zum Frühstücksplatz, wir waren gleich buddies. 🙂
  • Urlaub alleine? Ich erlebte: Kopf mit klassischen Gedankenmustern = aus, Gefühle & Emotionen & Innenwelt gleich wie sonst auch. Diese alleine so wahrzunehmen ist schön und friedlich. U = H – G (Urlaub = Herz – Gedanken)

Hola! Gracias! Vale!

Und das lässt mich nun auch zum Schluss kommen: Drei Worte waren es, die ich von diesem Urlaub mitnehme: “Hola!”, “Gracias!” und “Vale!” Im Gymnasium hatte ich zwei Jahre Spanisch gelernt und durch meine sehr guten Italienisch-Kenntnisse wiederum entiendo bien und hablo un poco espanol. So kam es auch immer wieder zu kleinen Konversationen in Spanisch und vor allem durfte ich vielen anderen lauschen. Dennoch, diese drei Worte und nicht mehr nehme ich von der spanischen Insel mit: “Hallo!”, “Danke!” und “Okay!” Auch das ist es, was eine der schönsten Erfahrungen dieser vier Tage waren. Südländer reden schnell und so waren es vieeeele Worte in diesen vier Tagen, doch im Kern geht es nur um diese drei, die immer wieder zu vernehmen waren. Und das ist bestimmt in jedem anderen Land bzw. in jeder anderen Sprache dasselbe. Mehr als diese drei Worte braucht es eigentlich nicht, damit sich Menschen -harmonisch- begegnen.

Morgen-Wanderung zum Monte Roja

Würdest du es nochmal machen? War es die richtige Entscheidung?

Das sind sicherlich Fragen, die mir in nächster Zeit begegnen werden. Die Antwort auf beide ist ein riesengroßes “(Oh) JA!!!”.

Für alle, die an Teneriffa interessiert sind und noch nicht warten: Empfehlung 100%! Ich war im Süden untergebracht und habe mit dem Mietauto circa 500 km in diesen vier Tagen zurückgelegt und bin überall hingekommen, wo ich wollte. Am Strand chillen, Delphine sehen und wandern (meine Lieblingsbeschäftigung auch an diesen Tagen) – Teneriffa has it all. Dort, wo ich tatsächlich zu Hause war, hat es mir übrigens am besten gefallen: Denn hier herrschte (im Gegensatz z.B. zu Santa Cruz) enorm viel Ruhe und Gelassenheit.

In einem Fluss geschrieben klappe ich nun mein Macbook auf der Liege zum Pool in meiner Unterkunft zu, blicke auf die Uhr und bin von der Uhrzeit überrascht. 1,5h waren nach dem ersten Wort vergangen, jetzt aber los – ich nehme den Autoschlüssel und fahre zum Flughafen. Wieder mal genau ohne Timing im Fluss. Yes! 🙂

“Mein privater” Strand: Playa Montaña Pelada
Meine Unterkunft & Teneriffa-Routen im Mietauto

Hasta luego!
Mit sonnigen Grüßen aus Teneriffa,
Manuela

admin

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