MENTAL & VITAL OÖ

Mentaltraining nach Kurt Tepperwein, Yoga & mehr

Vergebung

Einleitung

In einem System von Gut & Schlecht, Richtig & Falsch, Wohltat & Gesetzesbruch, Kläger & Angeklagter, Gehorsam & Sünde wurden wir groß und erlernten früh, dass man sich als kraftvoll in seiner Verletzung fühlt, wenn man jetzt bloß nicht nachgibt und sein gebrochenes Recht verteidigt. Dennoch begegneten uns immer wieder Momente, gerade im Kleinkindalter (zum Beispiel im Umgang mit anderen Kindern), in denen wir erlebten, wie angenehm es sich anfühlte, wenn wir ein Unrecht verzeihen und welch wohltuende Freiheit und Harmonie in Folge wieder Einklang haben durfte, für beide – für Täter und Opfer.

Unverzeihlich…

Geprägt von diesen Strategien geriet in Vergessenheit, was wir als Kinder als Lösung spürten und wir setzen fort, in unserem Ärger oder unser Kränkung aufzugehen, damit einem wenigstens dieses Feld als siegreich unberührt erschien. “Unverzeihlich” geriet in die noble Form sozialer Kompetenzen, man erfuhr sich als wissend über Recht & Unrecht. Doch geht es einem damit auch besser oder gut? Bei Weitem nicht. Niemand kann diese Frage ehrlichen Herzens mit Ja beantworten. Ebenso etablierten sich dementsprechende Redewendungen wie “außer sich sein vor Ärger”, “vor Wut platzen” oder “den Ärger im Gesicht geschrieben haben”, welche sprichwörtlich Aufschluss darüber geben, dass negative Emotionen und Gedanken Kräfte rauben, zu körperlichen Unstimmigkeiten und mangelndem Selbstwertgefühl führen. Nicht-Verzeihen und Wut gehört zusammen wie Salz und Pfeffer. Mit dem Bewusstsein (“Wie fühle ich mich gerade?”) um den eigenen Seinszustand, während man in einer “unverzeihlichen” Situation verharrt, sollte man zu der Erkenntnis gelangen, dass diese angelernte Strategie nicht erfolgreich ist. Denn nichts, bei dem man sich selber unwohl fühlt, ist erfolgreich – nicht auf Dauer.

Vergebung ist heilig

Nun? Die tief in uns schlummernde Wahrheit ist: Vergebung ist heilig – und zugleich heilend. Die einfache Formel für mehr Wohlbefinden in solchen Situationen lautet: Verzeihen statt ärgern. Nach dem Motto: Ich ärgere mich O D E R ich verzeihe dir.

Für Viele fühlt sich Verzeihen nach Niederlage an, doch es ist der größte Sieg, den man in einer misslichen Lage, lukrieren kann – scheint es auch noch so schwer, diesen Schritt zu unternehmen.

Passende Affirmationen:

Im Mentaltraining bedient man sich Affirmationen, die einen Trainingsprozess unterstützen können. Passende Affirmationen für Vergebung können sein:

  • Das ist ein neuer Augenblick, ich bin frei, loszulassen.
  • Ich übernehme die Verantwortung für mein Leben, ich bin frei.
  • Mein spirituelles Wachstum hängt nicht von anderen ab.
  • Ich bin stark, wenn ich vergebe und loslasse.
  • Richtig und Falsch gibt es nicht, ich urteile nicht mehr.
  • Ich vergebe dir von ganzem Herzen und erlöse die zwischen uns gebundenen Energien. Ich bin frei und du bist frei.

Wenn wir vergeben,
entschuldigen wir nicht,
was der Andere getan hat, sondern wir blicken weiter
und anerkennen
die Wahrheit seines Seins. 
VERGEBEN
geschieht durch
LOSLASSEN,
nicht
durch Vergessen.
Wenn wir vergeben, 
NEUTRALISIEREN
wir negative,
feindselige Gedanken und Gefühle. Sie haben keine Macht
mehr über uns.
VERGEBUNG
ist ein Zeichen der Stärke. VERGEBUNG
ist das Aufgeben von nachtragenden Gefühlen,
die dem Gefühl der Liebe widersprechen.

(Trainerunterlagen Kurt Tepperwein)

»Zu vergeben bedeutet, einen Gefangenen freizulassen und zu erkennen, dass dieser Gefangene du selbst warst.«

Lewis Benedictus Smedes, 1921-2002

Ho`oponopono

Eine wunderbare Übung ist aus Hawai bekannt, nämlich das hawaianische Vergebungsritual “Ho`oponopono“. Das Wort setzt sich aus folgenden Teilen zusammen:

  • Huna = alte schamanische Lehren Hawais 
  • „Ho`o“ = machen, tun
  • Pono = richtig (2x: richtig für dich, richtig für mich)

Traditionell kommt in Hawai die Gemeinschaft, in der man lebt, jeden Abend vor Sonnenuntergang zusammen. (Pule: Verbindung). Bei diesem Zusammenkommen wird das Problem/die Probleme, die sich an diesem Tag zugetragen haben, betrachtet. (Mahiki: Anschauen des Problems). In einem nächsten Schritt wird von jedem für die Disharmonien die jeweilige Verantwortung übernommen (Mihi: Wiedergutmachung). Daraufhin folgt ein wechselseitiges Vergeben, man bittet um Verzeihung (Ebene des Intellekts) und um Vergebung (Ebene des Herzens). Und: Man verzeiht sich selbst bedingungslos. (Kala: Freiheit durch das Gewähren von Vergebung)

Ist das nicht wunderbar? <3 Ulrich Emil Duprée berichtet in seinem Buch “Ho`oponopono und Familienstellen. Beziehungen verstehen, in Liebe vergeben, Heilung erfahren” darüber (Schirner Verlag, 2015).

»Bevor die Sonne untergeht, vergib.«

Hawaiianisches Sprichwort

In unseren Affirmationskarten haben wir ebenso eine Übung dazu gepackt:

Die Geschichte von der kleinen Seele

Eine wunderbare, tiefgehende Geschichte von Neale Donald Walsch aus “Gespräche mit Gott” zu diesem Thema als Abschluss dieses Blogs. Als ich diese zum ersten Mal las, war ich von Demut ergriffen.

“Du kannst Dir aussuchen, was für einen Teil von Gott du sein möchtest“, sagte Gott zu der kleinen Seele. „Du bist absolute Göttlichkeit, die sich selbst erfährt. Welchen Aspekt der Göttlichkeit möchtest du nun als Dein Selbst erfahren?“
„Du meinst, ich habe die Wahl?“ fragte die kleine Seele. „Ja.“ antwortete Gott. „Du kannst Dir jeden Aspekt der Göttlichkeit aussuchen, den du als und durch dein Selbst erfahren möchtest.“

„Okay“, sagte die kleine Seele, „dann wähle ich Vergebung. Ich möchte mein Selbst als jenen Aspekt Gottes erfahren, den man vollkommene Vergebung nennt.“
Nun, das war keine geringe Herausforderung, wie man sich vorstellen kann. Es gab niemanden, dem man hätte vergeben können. Alles, was Gott geschaffen hat, ist Vollkommenheit und Liebe.

„Keiner, dem zu vergeben wäre?“ fragte die kleine Seele etwas ungläubig. „Keiner“, bestätigte Gott. „Schau Dich um. Siehst du irgendwelche Seelen, die weniger vollkommen, weniger wunderbar sind als du?“
Die kleine Seele wirbelte herum und sah sich zu ihrer Überraschung von allen Seelen im Himmel umgeben. Sie waren von fern und nah aus dem ganzen Reich gekommen, weil sie gehört hatten, dass die kleine Seele ein außergewöhnliches Gespräch mit Gott führte.

„Ich sehe niemanden, der weniger vollkommen wäre als ich!“ rief die kleine Seele. „Wem soll ich denn dann vergeben?“
Da trat eine andere Seele aus der Menge hervor. „Du kannst mir vergeben“, sagte die freundliche Seele.

„Ich werde in deinem nächsten physischen Leben zu Dir kommen und etwas tun, wofür du mir vergeben kannst“, erwiderte die freundliche Seele.
„Aber was? Was könntest du, ein Wesen so vollkommenen Lichts, tun, das ich vergeben sollte?“ erkundigte sich die kleine Seele.

„Oh“, gab die freundliche Seele lächelnd zurück. „Ich bin sicher, wir können uns da etwas einfallen lassen.“
„Aber warum würdest Du das tun wollen?“ Der kleinen Seele war es ein Rätsel, warum ein Wesen von so hoher Vollkommenheit tatsächlich etwas „Schlechtes“ tun wollte.

„Ganz einfach, ich würde es tun, weil ich Dich liebe“, erklärte die freundliche Seele. „Du möchtest dein Selbst als vergebend erfahren nicht wahr? Abgesehen davon, hast Du dasselbe für mich getan.“
„Das habe ich?“ fragte die kleine Seele.

„Natürlich. Erinnerst Du Dich nicht mehr? Wir sind alles davon gewesen, du und ich. Wir sind das Oben und Unten, das Linke und das Rechte davon gewesen. Wir waren das Hier und das Dort und das Jetzt und das Dann. Wir waren das Große und das Kleine, das Männliche und das Weibliche, das Gute und das Schlechte davon. Wir alle waren das Alles davon. Und das taten wir aufgrund einer Vereinbarung damit jede von uns sich, wir alle uns, als den großartigsten Teil Gottes erfahren konnten. Denn wir haben verstanden, dass in der Abwesenheit dessen, was Du nicht bist, das, was Du bist, nicht ist.

In der Abwesenheit von kalt, kannst du nicht warm sein. In der Abwesenheit von traurig, kannst Du nicht glücklich sein, ohne ein Ding, das man „Böse“ nennt, kann die Erfahrung, die man das „Gute“ nennt, nicht existieren.
Wenn Du die Wahl triffst, etwas zu sein, dann muss irgend etwas oder irgend jemand im Gegensatz dazu irgendwo in deinem Universum auftauchen, um das zu ermöglichen.“

Dann erklärte die freundliche Seele, dass diese Wesen Gottes „Spezialengel“ und diese speziellen Umstände Gottes Geschenke sind.
„Ich bitte dich nur um eines im Austausch dafür“, sagte sie schließlich.
„Alles, was es auch sei!“ rief die kleine Seele.

Das Wissen, dass sie Erfahrung von jedem Aspekt Gottes machen konnte, machte sie ganz aufgeregt. Sie verstand nun den Plan. „In dem Augenblick, in dem ich dich schlage und peinige, in dem Moment, in dem ich dir das Schlimmste antue, das du dir je vorstellen kannst – genau in diesem Augenblick“, so sagte die freundliche Seele, „… solltest du dich daran erinnern, wer ich wirklich bin.“

„Oh, ich werde es nicht vergessen!“ versprach die kleine Seele. „Ich werde dich in all der Vollkommenheit erkennen, in der ich dich jetzt sehe, und ich werde mich immer daran erinnern, wer du bist.“
„Weißt du, ich werde mich so verstellen müssen, dass ich mich selbst vergessen werde. Und wenn du dich nicht erinnerst, wer ich wirklich bin, dann werde ich mich selbst für eine sehr lange Zeit auch nicht daran erinnern können.

Wenn ich vergesse, wer ich bin, dann kann es passieren, dass auch du vergisst, wer du bist.
Und dann sind wir beide verloren. Dann brauchen wir eine weitere Seele, die in unser Leben kommt und uns daran erinnert, wer wir wirklich sind.“ 

Doch die kleine Seele versprach noch einmal: „Nein, wir werden nicht vergessen, wer wir sind! Ich werde mich an dich erinnern! Und ich werde dir sehr dankbar dafür sein, dass du mir dieses große Geschenk machst – das Geschenk, dass ich erfahren darf, wer ich wirklich bin.“
Und so schlossen die beiden Seelen ihre Vereinbarung.

Neale Donald Walsch, in: Gespräche mit Gott

Heute schon befreit? Alles Liebe!

Manuela

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10 Tipps für deine praktizierte Selbstliebe – MENTAL & VITAL OÖ Posted on 13:44 - 27. September 2020

[…] und sich damit seiner Energie berauben lassen, kann man auch anders. Ein wunderbarer Brauch (“Hoponopono-Verzeihungsritual“) ist aus Hawai bekannt: Traditionell kommt in Hawai die Gemeinschaft, in der man lebt, jeden […]